Falschluft über die Kurbelgehäuseentlüftung beim 10V Turbomotor:

Der folgende Artikel beschreibt das Phänomen von Falschluft über die Motorentlüftung und den hinteren Kurbelwellen Simmering:

Besitzer eines Audi 100/200 turbo mit KG/MC1B/2B Motor werden gelegentlich mit einem hässlichen Quietschgeräusch aus der Kupplungsglocke konfrontiert. Dieses Geräusch tritt zumeist nur bei warmen Motor und bei Leerlaufdrehzahlen, bzw im Schubbetrieb auf. Bei Drehzahlen über ca. 1500/min und unter Last verschwindet das Geräusch dann meist wieder, bzw, beim Treten der Kupplung oder der Bremse.

In vielen Fällen wird daher ein defektes Ausrücklager der Kupplung als Fehlerursache angesehen, was aber in den seltensten Fällen die Ursache ist.

Ausrücklager oder Falschluft - ein einfacher Test verschafft Gewissheit:

Um zu testen, ob das Ausrücklager oder Falschluft die Ursache für das Quietschen sind, kann man folgenden simplen Test durchführen.

Bei laufendem Motor langsam den Ölmesstab herausziehen und beobachten, ob sich das Geräusch verändert oder verschwindet.
Ist das Geräusch schwächer oder weg, dann ist das Ausrücklager in Ordnung und Falschluft die Ursache.

Verschwindet das Geräusch nicht, dann zusätzlich den Entlüftungsschlauch vom Ventildeckel zur Lufthutze der K-Jetronic kurzzeitig zudrücken. Spätestens jetzt sollte das Geräusch verschwinden.

Entlueftungsschlauch-MC

 

Erklärung:

Die Motorentlüftung liegt beim 10V Turbomotor komplett auf der Unterdruckseite und mündet hinter der Stauscheibe in die Ansaugluft des Motors zum Turbo hin. Die Stauscheibe der K-Jet wird ebenfalls über den Unterdruck des Motors betrieben, und genau hier liegt das Problem, bzw, der Konflikt!
Die angesaugte Luft sucht sich immer den leichtesten Weg. Ist der Widerstand an der Stauscheibe grösser als an anderen offenen/undichten Stellen (z.B. ein fehlender Ölmesstab, undichter Schlauch, etc), so saugt der Motor darüber falsche Luft an. In dem Fall ist es der hintere KW-Simmering der leicht undicht ist und zwar nur bei Unterdruck für den er auch nicht ausgelegt ist. Die darüber angesaugte Luft verursacht ein quietschendes Geräusch.

Hinweis: Simmeringe und  Ventilschaftdichtungen dichten nur gegen Druck, nicht aber gegen Unterdruck ab - Unterdruck kann diese Dichtungen beschädigen, bzw, zu Undichtigkeiten führen, ohne dass Öl nach aussen austritt.
 

Lösung des Problems:

Will man das Quietschen vermeiden, muss man den Unterdruck im Kurbelgehäuse begrenzen, bzw, vermindern.
Dies erreicht man am besten durch eine Strömungsbremse, bzw, Querschnittsverengung in der Motorentlüftung. Die angesaugte Luft wird damit abgebremst, der Widerstand wird grösser als der Widerstand an der Stauscheibe.
Die Verengung muss allerdings so ausgelegt sein, dass eine ausreichende Entlüftung stattfinden kann und ein Verstopfen der Motorentlüftung verhindert wird.

Die passende Lösung dafür finden wir an jedem Wasserhahn, bzw, in der Sanitärabteilung eines jeden Baumarkt.
Ein simpler 22mm Siebeinsatz für den Wasserhahn dient hier als zuverlässige Strömungsbremse.

Siebeinsatz

 

Von dem Siebeinsatz wird nur das innere Kunststoffteil (siehe Pfeil) und sein Innenleben benötigt.
Auf der Rückseite befindet sich i.d.R. noch ein Feinsieb aus Kunststoff, welches ebenfalls entfernt werden muss. Dieses kann man mit einem kleinen Schraubendreher einfach heraushebeln. Damit verbleibt nur noch das Gehäuse und 2 Metallsiebe im Innern, sowie eine Art Schirm aus Plastik übrig.
Den Siebeinsatz setzt man dann in den Entlüftungsschlauch zw. Ventildeckel und Ansauglufthutze ein, und zwar so, dass die Seite mit dem dickeren Rand zum Lufthutze hin zeigt; die Metallsiebe zeigen dann zum Motor. Siebeinsatz am besten möglichst direkt nach den Verteilerstück am Ventildeckel in den Schlauch einsetzen (siehe Bild oben).

Motor testweise im Leerlauf laufen lassen, bzw, Probefahrt unternehmen.
Ist das Quietschen beseitigt, bzw, tritt nur noch kurzzeitig auf, reicht ein Siebeinsatz aus. Quietscht es dagegen weiterhin, so sollte man ggfs. einen zweiten Siebeinsatz in den Entlüftungsschlauch vom Motorblock zum Ventildeckel hin verbauen (Einbaulage oben am Metallrohr).
Zusätzlich sollte man auch die Stauscheibe, bzw, den Steuerkolben im Kraftstoffmengenteiler auf Leichtgängigkeit testen. Es darf sich beim Anheben nur ein gleichmässiger Widerstand über den ges. Verstellweg aufbauen, sonst liegt ein Schaden am LMM und/oder Mengenteiler vor.

Achtung: durch die verminderte Strömung steigt der Öldruck ein wenig an. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Entlüftungsschläuche auch weiterhin luftdurchgängig sind - beim Durchblasen darf sich kein nennenswerter Widerstand aufbauen.

Viel Erfolg!