HELLA Wahnsinn - Scheinwerfer mit Lampenkontrollgerät auf Relaisbetrieb umrüsten

Die folgende Anleitung beschreibt eine legale und vor allem effektive Möglichkeit zur Verbesserung der Lichtausbeute an den Haupscheinwerfern beim Typ 44, unter Beibehaltung der Lampenkontrolle im Autocheck.

Die Ansteuerung der Hauptscheinwerfer geschieht beim Typ 44 bekanntermassen über den Lenkstockschalter. Beim Betrieb des Abblendlichts wird somit ein Strom von rund 10A permanent über diesen Kontakt geleitet, was im Laufe der Jahre zu Verschleiss, bzw Ausfall des Lenkstockschalters führt. An den Kontakten entsteht ferner ein Spannungsabfall von ca. 1,5 bis über 2V, so dass vorne an den Scheinwerfern statt der gewünschten 13,5V, oft nur 11-12V ankommen. Die Lichtausbeute sinkt dadurch erheblich, das Licht wird trübe. In einem solchen Fall tauschen viele ahnungslose Besitzer, die herkömmlichen 60/55W Birnen gegen illegale 100/80W Lampen aus, was neben dem Erlöschen der Betriebserlaubnis, auch noch andere negative Folgen haben kann. Durch die hohe Wärmebelastung leidet der Reflektor innerhalb kürzester Zeit und wird unbrauchbar (teuer!!!). Die Belastung am Lenkstockschalter steigt ebenfalls dramatisch an und kann im Extremfall zum “Abrauchen” des Schalters führen (noch teurer!!).
An dieser Stelle sei also eindringlich vor solchen Spielereien gewarnt!

Die beste Möglichkeit zur Steigerung der Lichtausbeute und gleichzeitiger Schonung des Lenkstockschalters, ist der Umbau auf Relaisbetrieb, ähnlich wie bei den Nebelscheinwerfern.

Ist das Fahrzeug mit einem Autochecksystem ausgestattet, muss der Einbau der Relais für das Abblendlicht vor dem Lampenkontrollgerät erfolgen, da es sonst zu Fehlermeldungen kommen kann, bzw die Funktion der Lampen nicht mehr überwacht wird.
Alternativ kann man natürlich auch das LKG dahingehend deaktivieren, indem man beispielsweise die “K”-Leitung zum Autocheck durchtrennt. Dies ist jedoch meiner Ansicht nach genauso unelegant wie unnötig, da mit ein wenig Fleiss die Lampenkontrolle auch weiterhin genutzt werden kann.

 

Funktion des Lampenkontrollgeräts:
Das LKG für die Hauptscheinwerfer befindet sich im Zusatzrelaisträger 1 in der 2. Reihe von oben auf Steckplatz 5. Der Zusatzrelaisträger liegt hinter der Ablage Fahrerplatz, oberhalb des Fussraum-Heizkanals.
Überwacht werden mittels Induktionsmessung die beiden Abblendlichter, wohingegen die beiden Fernlichter vom LGK nicht überwacht werden. Fällt eine der beiden Abblend-Birnen aus, so wird dies dem Fahrer als Fehler mitgeteilt. Den Ausfall beider Birnen, kann das System konstruktionsbedingt nicht erfassen, allerdings ist dies auch sehr unwahrscheinlich.

Verdrahtung des LKGs:
Der Lenkstockschalter schaltet den Beleuchtungsstrom über die beiden Sicherungen S10 und S11 in der Zentralelektrik. Von hier aus gelangt der Strom zum Lampenkontrollgerät und danach schliesslich zu den Scheinwerfern.
Das LKG besitzt daher also 2 Stromeingänge (vom Sicherungskasten kommend) mit den Leitungsfarben ge/br und ge/gn, zwei Ausgänge (zu den Scheinwerfern) mit den Leitungsfarben ge und ge/sw, eine Masseleitung und die sogenannte grüne “K”-Leitung zum Autochecksystem im Kombiinstrument.

der Zusatzrelaisträger im Fahrerfussraum - hier mit bereits demontierten Fussraum-Heizkanal
Das Lampenkontrollgerät trägt die Aufschrift “281”.

Stromlaufplan des Lampenkontrollgeräts (Lamp Control Unit, Front)

Umbauanleitung:

der Umbau dauert in etwa 5-6 Stunden und verlangt ein wenig körperliche Nehmerqualitäten, da man den Grossteil der Arbeit liegend im Fahrerfussraum verbringt. Grundsätzlich sollte man sich bei dieser Arbeit Zeit nehmen und sorgfältig vorgehen, so ist man nacher vor unliebsamen Überraschungen in Form von Kurzschlüssen und dergleichen gewappnet.

Materialbedarf:

  • 2x Standard Kfz-Relais z.B. von Conrad Elektronik oder aus dem Kfz-Zubehör
  • etwa 5m rotes Kfz Kabel 2,5mm² - gibt es z.B. als 5m Rolle im Baumarkt oder bei Conrad
  • etwa 2x 20cm braunes Kfz-Kabel 2,5mm³
  • 10x AMP FASTON Flachsteckhülsen mit blauen Isolierkragen 6,3mm, vollisoliert
  • 2x AMP FASTON Ringkabelschuhe M8 gelb
  • 2x Flachsicherungshalter mit 2x 10A Flachsicherungen
  • 1 Rolle Kabelschutzrohr, bzw passenden Schrumpfschlauch
  • ein “paar” Kabelbinder
  • selbstklebendes Isolierband aus Gewebe etwa 10-15mm breit

    ergänzend zu den beiden Relais kann man auch folgende Teile verwenden...
     
  • 2 x Relaishalter VAG ET Nr. 443 937 527, bzw 443 937 528
  • 1 Beutel (5 Stück) Flachkontakte mit Einzelleitungen 2,5mm VAG ET Nr. 000 979 212

    Hinweis:
    werden die original VAG Relaisträger verbaut, müssen auch die VAG Flachkontakte (000 979 212) verwendet werden, da herkömmliche Flachsteckhülsen nicht in den Relaisträger passen!

    benötigtes Werkzeug:
     
  • kleinen Urmacherschraubendreher zum Austreiben der Flachstecker aus dem Relaisträger vom LKG
  • kl. Ratsche mit Nuss SW 8 und SW 13 zum Lösen des Scheibenwischers und der Ablage Fahrerplatz
  • Kreuzschraubendreher
  • Seitenschneider
  • Schlitzschraubendreher
  • Kombizange, bzw Crimpzange für Quetschverbinder
  • Teppichmesser oder Abisolierzange


    und so wird´gemacht...
     
  • Batterie abklemmen
  • bei neuer Wasserkastenabdeckung, rechten Scheibenwischer ausbauen (eine Mutter SW 13)
  • Abdeckung Wasserkasten vorsichtig abnehmen
  • bei der Gelegenheit Wasserkasten von Laub usw.. reinigen, Ablaufbohrungen durchgängig machen
  • Im Innenraum Ablage vor dem Fahrerplatz abschrauben (8 Schrauben SW 8)
  • darunterliegenden Fussraumheizkanal ausbauen (je eine Kreuzschraube rechts und links)
  • Lampenkontrollgerät (Relais mit Aufschrift “281”) aus der Fassung ziehen
  • Relaisfassung LKG aus dem Träger ausklipsen

    zusätzliche Verkabelung von der Batterie zum Innenraum:

    Wir benötigen zur Versorgung von Kl. 30 am Relais und zur Versorgung der Scheinwerfer, zwei Einzelleitungen direkt von der Batterie kommend. Diese beiden Leitungen werden kurz nach der Batterie durch zwei “fliegende” Sicherungen mit je 10A abgesichert. Ein guter Platz zum Durchfüheren der beiden Leitungen in den Innenraum, stellt die die Kabeldurchführung vom Heizungskabelstrang dar. Die Tülle bietet problemlos Platz für zwei weitere Kabel und ist auch von Innen “bequem” zu erreichen.

    Batterie-Abzweig anfertigen:
     
  • ca. 2x 20cm rotes Kabel abschneiden, an den Enden abisolieren
  • an einem Ende gelben Ringkabelschuh M8 auf beide Leitungsenden aufschieben, Crimpen & mit Pluspolklemme verschrauben
  • am anderen Ende je eine Leitung mit jeweils einem Sicherungshalter verbinden - Sicherungen noch nicht einsetzen!
  • ca. 2x 2m rotes Kabel abschneiden & an den Enden abisolieren
  • Beide Kabel durch die Tülle am Heizungskabelbaum in den Innenraum führen
  • Kabel innen im Bereich der Heizung “in Emfang nehmen” und in Richtung Zusatzrelaisträger ziehen.
  • Kabel im Wasserkasten parallel zum Heizungskabelstrang und vor dem Gebläsekasten zum Sicherungshalter verlegen
  • Kabelschutzhülle, bzw Schrumpfschlauch über beide Leitungen ziehen, Kabel mit den beiden Sicherungshaltern verbinden
  • Leitungen mit Kabelbindern sichern.
  • Im Innenraum Leitungen mit je einer blauen Flachsteckhülse 6,3 verbinden
  • Schrumpfschlauch, bzw Kabelhülle aufziehen.

    Batt. Abzweig mit Sicherungen

    Sicherungshalter am Pluspol

    Kabeldurchführung nach Innen






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    Kabel im Innenraum sorgfältig verlegen, dabei umbedingt auf Freigängigkeit von Pedalen und Lenkung achten!


    Als Nächstes müssen am Relaishalter vom Lampenkontrollgerät folgende Änderungen vorgenommen werden
  • ge/gn und ge/br Leitung am LKG vom Relaisträger trennen
  • hierzu mit Uhrmacherschraubendreher Flachhülsen aus Relaisträger mit Gefühl entriegeln und herausdrücken
  • in die nun freigewordenen Steckplätze je eine Leitung mit Steckhülse (VAG Nr. 000 979 212) einschieben

    das LKG mit den beiden Kabeln

    Flachkontakte mit Einzelleitung













    jetzt folgt die Verkabelung der beiden Scheinwerfer Relais am Zusatzrelaisträger
  • je ein Relais mit ge/br, bzw ge/gr Leitung vom LKG an Relaisklemme 86 verbinden
  • je eine Leitung vom LKG kommend (ge mit Flachsteckhülsen VAG 000 979 212) an Relaisklemme 87 anschliessen
  • je eine rote Leitung (von der Batterie kommend) an Relaisklemme 30 anschliessen
  • beide Relaisklemmen 85 jeweils mit braunen Kabel an Masse legen (Befestigungsschraube vom Zusatzrelaisträger)
     
  • erst jetzt die beiden 10A Sicherungen im Sicherungshalter an der Batterie einsetzen
  • Verdrahtung auf mögliche Fehler und festen Sitz der Steckverbindungen überprüfen.
  • Batterie anklemmen

    Verdrahtung der beiden Relais

    beide Relais fertig eingebaut












    Hinweis:

    Bei Verwenden des Original Relaisträger 443 937 527/528 braucht man 2 verschiedene Leitungen (beide 2,5 mm2).

  • 000979212 gelbe Leitung mit 2x Flachsteckhülse mit Nase
  • 000979227 gelbe Leitung mit 2 x Stecker
  • insgesamt gibt es für den Relaisträger 3 verschieden große Stecker (abgesehen von den verschiedenen Größen der Stecker

  • 1,0mm², 2,5mm², 4mm²).
  • 2 x ganz große Flachstecker ....212
  • 3 x mittlere Stecker ....227
  • 4 x ganz kleine Stecker 2,8mm (werden aber meistens gar nicht benötigt, ausgenommen bei Relais mit mehr als 5 Anschlüssen)
  • kl gr kl
    m m m
    kl gr kl

    (oben angeführt eine Ansicht auf den Relaisträger, kl=kleiner Stecker, m=mittelgroßer Stecker, gr=große Flachsteckhülse mit Nase)
    D.h.: Wenn man den Relaisträger verwenden will braucht man unbedingt beide Leitungen ...212 und ...227 sonst - keine Chance.



    So, jetzt ist eigentlich erstmal eine Pause fällig um unseren Gliedmaßen wieder einzurenken ;)


    Funktionstest:
     

  • ist wirklich alles richtig verkabelt, Motor an, Licht einschalten und staunen!
  • unter Last sollten jetzt an den Scheinwerfern mindestens 13V anliegen - Voltmessung zw. br und ge Kabel
  • funktioniert alles einwandfrei, kann man zum Wiedereinbau der Ablage, der Wasserkastenabdeckung und des Heizkanals schreiten

    Viel Erfolg!